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Chronik des Marktes Roßbach Historie erster
Teil, Pfarrgemeinde, Wirtschaft
und Gewerbe, Vereinswesen,
Im Ersten Weltkrieg hatte Roßbach 205 Tote zu beklagen,
das waren 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das Ende dieses Krieges und
damit auch das Ende des Habsburgischen Reiches brachte einen eigenen
tschechischen Staat hervor, in dem das Deutschtum brutal unterdrückt
wurde. Dazu kam in den 1930er Jahren die große
Arbeitslosigkeit. 1938 rückten die deutschen Truppen in den Sudetengebieten
ein. In Roßbach wurde die tschechische Beamtenschaft unblutig ihrer
Ämter enthoben. Ein Großteil der Bevölkerung begrüßte
verständlicherweise den Anschluss an das Deutsche Reich, aber es
sollte der Anfang vom Ende werden. Politisch Andersdenkende emigrierten
nach England und Schweden. 28 Einwohner waren in deutschen Konzentrationslagern,
drei davon überlebten nicht. Dann begann der Zweite Weltkrieg. Von Bombenangriffen
blieb der Ort weitgehend verschont, es gab wohl keine lohnenden Ziele.
Häufig war jedoch Luftalarm. 1945 stürzte beim Pfarrwald ein
englischer Bomber ab. Die Besatzung kam dabei ums Leben. Gegen Kriegsende
wurden mehrere Häuser auf dem Hügel über dem Bahnhof durch
Artilleriebeschuss beschädigt. Am 21.4.1945 besetzten die Amerikaner,
mit Panzern von Ebmath her kommend, den Ort. Kurze Zeit später wehten
auf den Amtsgebäuden wieder tschechische Fahnen und eine Schreckensherrschaft
begann. Nach und nach zogen sich die Amerikaner ganz zurück. Hatte
der Krieg schon 164 gefallene und vermisste Soldaten gefordert, so kamen
nun noch weitere Opfer hinzu. Fünf Einwohner überlebten die Folterungen
im berüchtigten Pilsner Zuchthaus "Bory" nicht. Andere
trugen lebenslange Behinderungen davon. Die Ehefrau des Bürgermeisters
wurde von einem tschechischen Sadisten (im Volksmund Partisan genannt)
zu Tode gequält. Ihm werden noch weitere Morde angelastet. Elf Personen
schieden freiwillig aus dem Leben. Mehrere Einwohner wurden von den Tschechen
an der Grenze erschossen, als sie versuchten, ein paar ihrer Habseligkeiten
nach Bayern oder Sachsen zu retten. Zahlreiche Männer und Frauen
wurden ins Landesinnere verschleppt, inhaftiert und zu Arbeitseinsätzen
gezwungen. Max Baumann, Manfred Bohra, Erich Dölling, Walter Eibich, Adolf Günther, Robert Hendel, Dr. Herbert Hofmann, Richard Hofmann, Max Hohberger, Gustav Hoier, Otto Hopperditzel, Horst Hüttel, Karl Krauß, Richard Landrock, Ernst Luding, Frieda Mensch, Erwin Möckel, Robert Penzel, Hugo Rei, Arno Ritter, Reinhold Stöhr, Hans Teschner, Hermann Wolf, Wilhelm Wunderlich, Hermann Zapf. Sie haben sich besonders für den "Heimatboten" und die "Heimatgemeinschaft" ehrenamtlich engagiert. Dafür sei ihnen auf diesem Weg noch einmal Dank gesagt.
Roßbach heißt heute Hranice = Grenze. Es wurde am 1.8.1964 zur Stadt erhoben. Hranice ist nicht mehr unser Roßbach. Zwei Drittel der Häuser sind dem Erdboden gleich gemacht worden. Die am Marktplatz entstandenen Lücken füllen sozialistische Plattenbauten. Der Friedhof ist nur in der von den Tschechen benützten Fläche als solcher zu erkennen. Ein Teil wurde eingeebnet und dem benachbarten Sportplatz zugeschlagen. Die Kirche wurde, überwiegend mit Spenden der ehemaligen deutschen Bewohner, innen und außen renoviert. 40 Jahre Nichtstun haben jedoch irreparable Schäden hinterlassen. Die Kinder und Enkel der wenigen noch verbliebenen Deutschen sprechen kaum noch die Muttersprache ihrer Eltern. Die so genannte biologische Lösung beginnt zu greifen. Die Erlebnisgeneration wird es bald nicht mehr geben. Deren Nachkommen in der BRD haben sich ebenfalls mit der einheimischen Bevölkerung vermischt. Sie sprechen den heimatlichen Dialekt ihrer Vorfahren nicht mehr und haben in vielen Fällen auch kein großes Interesse an deren Heimat. "Roßbach von seiner Gründung um 1150 über das Vertreibungsjahr 1946 hinaus liegt nun vor uns wie ein aufgeschlagenes Buch. Seite für Seite erzählt vom Wachsen und Werden dieses Ortes, ein Denkmal für den deutschen Fleiß unserer Vorfahren. Alles war ehrlich erworben und erarbeitet, durch eigene Leistung auf Urwaldboden, der niemand weggenommen wurde, sondern einst kaiserliches Eigentum war und nicht zu Böhmen gehört hat." (Zitat aus dem Roßbacher Heimatbuch)
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