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Rossbach
Ausflugsziele im Umland

Chronik des Marktes Roßbach
im Landkreis Asch

Historie erster Teil, Pfarrgemeinde, Wirtschaft und Gewerbe, Vereinswesen,
öffentliche Einrichtungen, Künstler und Persönlichkeiten, letztes Kapitel der Geschichte


Künstler und Persönlichkeiten


Der wohl bedeutendste Künstler unserer Heimat war der 1900 in Roßbach geborene Rudolf Krauss. Er zählte zu den besten Radierern, die in den 1920er Jahren aus der berühmten Meisterklasse von Prof. August Brömse in Prag hervorgegangen sind. Krauss hat sich ausschließlich mit Themen aus unserer ärmlichen Welt der Handwerker und Kleinbauern befasst. Von so hervorragenden Künstlern wie Alfred Kubin und Käthe Kollwitz erhielt er höchst lobende Beurteilungen. Leider starb er schon 1930 an Lungentuberkulose. Josef Hendel (1897 - 1993) zählte ebenfalls zu unseren großen einheimischen Künstlern. Er studierte an der Münchner Hochschule für bildenden Künste in der Holzschnitt-, Mal- und Radiererklasse der Professoren Becker-Gundahl, Fallscheer, Klemmer und Schinnerer. Bereits Ende der 1920er Jahre sorgten seine Holzschnitte für Schlagzeilen. Im Münchner Haus der Kunst hingen seine 60 Federzeichnungen mit Motiven aus der "Ilias". Eine seiner Arbeiten hing in der evangelischen Kirche in Roßbach. Es war eine Grünewaldkopie von 1931. Nach der Vertreibung verheiratete er sich mit der Kunstgewerblerin Maria Speckamp. Gemeinsames Schaffen im Weberatelier, aber auch eigene Arbeiten auf Papier und Leinwand folgten. Josef Hendel vermachte seinen ganzen Nachlass der Gemeinde Neuenkirchen/Münsterland, wo er zuletzt lebte. Otto Müller wurde 1882 als Sohn von Oberlehrer Adam Müller (Windmüller) in Roßbach Haus Nr. 156 geboren. Es ist nicht bekannt, ob er akademisch ausgebildet wurde. Auf alle Fälle hatte er eine vielseitige künstlerische Begabung. Das zeigen seine noch in Roßbach entstandenen Bildwerke in Pastell-, Kohle-, Kreide- und Öltechnik. Während dieser Roßbacher Jahre (bis etwa 1920) war er als Musterzeichner tätig. Später lebte er in Freiwaldau im Altvatergebirge. Ende 1944 kam Müller mit seiner Familie wieder zurück nach Roßbach. Bis zu seinem Tod 1945 lebte er wieder im väterlichen Hause. Bekannt ist von ihm das Gemälde "Alt Roßbach, Marktplatz mit Kirchberg" von 1920. Es ist auf Seite eins des Roßbacher Heimatbuches abgebildet und war im Besitz von Hans Jäckel. Als sein Mäzen galt der Likörfabrikant Reinhold Richter aus Roßbach.

Er besaß das gleiche Bild in Pastell sowie ein weiteres Pastellbild "Herbstlicher Brombeerzweig" und die Kohle-Kreide-Zeichnung eines Mädchenkopfes. Weitere Werke sind uns leider nicht mehr bekannt. Ferdinand Pfrogner (1903 - 1979) war bereits zu Hause als Maler und Schnitzer bekannt. In seiner neuen Heimat Memmingen entstanden Kruzifixe, Waldtiere, bäuerliche Einzelfiguren und Blumenreliefs. Viel Erfolg brachten ihm seine Mustervorlagen mit Jagdmotiven für Möbel, das Ölgemälde von unserer Kirche sowie viele meisterhaft gelungene Kopien von Voralpenlandschaften. Auch plastische Arbeiten mit Kupferfolie, z.B. der Roßbacher Marktplatz, fanden bald in vielen Roßbacher Wohnstuben Eingang. Stellvertretend für die vielen begabten Roßbacher, die ihr Zeichentalent zum Broterwerb als Musterzeichner einsetzten und die in ihrer kurzen Freizeit beachtliche Kunstwerke hervorbrachten, sei hier nur Adolf Günther, geboren 1923, genannt. Über ein halbes Jahrhundert haben uns seine künstlerischen Zeichnungen für unsere Heimatzeitung durch das Jahr begleitet.

Rudolf Strobel (1879 - 1958), Konzertmeister. Er sollte Weber werden, in einem Gebiet, wo es hieß "Fäden ernähren ein Land". Aber schon bald griff er lieber zum Geigenbogen als zum Weberschiffchen. Strobel studierte bei Prof. Sitt am Konservatorium in Leipzig. Dann wirkte er 14 Jahre als Konzertmeister in Riga, damals Russland. 1911 konzertierte Rudolf Strobel vor der Zarenfamilie in St. Petersburg. Während eines Ferienaufenthaltes 1914 in Roßbach brach der Erste Weltkrieg aus. Erst 1923 konnte er Riga wieder besuchen. Für kurze Zeit war er Mitglied der Berliner Philharmonie. Von 1916 bis zu seiner Pensionierung 1944 war er Konzertmeister am Pressburger Stadttheater. Als Beweis seiner schöpferischen Tätigkeit liegt eine Einladung zu einem seiner Kompositionsabende am 6.11.1928 in Wien vor. Nach der Vertreibung aus seiner Heimat hatte er eine Anstellung am Hofer Stadtorchester. Ein Schlaganfall beendete seine berufliche Tätigkeit. Christian, ein weiterer Spross der Strobel-Sippe, war als Konzertmeister in Reval tätig.

Wenn Ernst Jäger der Ältere (1869 - 1942) in und um Roßbach mit seiner großen Blaskapelle aufspielte, war alles auf den Beinen. Bei Festzügen, Bällen, Schützenfesten war er gesucht und beliebt. Sein Bruder Franz spielte ebenfalls in dieser Kapelle und bei der k.u.k. Militärmusik in Wien. Später ging er nach Aussig. Dort wurde sein Sohn Ernst Jäger der Jüngere (1913 - 1975) geboren. Er studierte Komposition und Kirchenmusik. Nach seiner Militärzeit gründete er in Karlsbad seine erste Combo. Außerhalb der Saison spielte er mit einem größeren Orchester in Prag und Reichenberg. Nach 1938 startete er eine große Deutschlandtournee. Der Zweite Weltkrieg unterbrach seine Karriere. Zu einer Zeit, in der es in Deutschland noch am Notwendigsten fehlte, konnte Ernst Jäger bereits im April 1946 mit seinem neu aufgestellten Tanzorchester über den Äther gehen. Ausgestrahlt wurde damals über Radio München, einem Sender der amerikanischen Militärregierung. Ernst Jäger wurde bald ein geschätzter Orchesterleiter und Komponist. An die hundert Schallplattentitel stammen aus seiner Feder. Vollblutmusiker wie Max Greger und Helmut Brandenburg gingen aus seinem Orchester hervor. Namhafte Künstler wurden vom Orchester Ernst Jäger begleitet. Er galt als König des Münchner Faschings. Für sein Schaffen wurde er mit der "Goldenen Posaune" und dem "Goldenen Dirigentenstab" ausgezeichnet.


Josef Metka (1887-1973), der Konstrukteur der Roßbacher Kalenderuhr. Von Beruf mechanischer Weber, wurde er wahrscheinlich während seiner Militärzeit in Prag von der astronomischen Uhr am Altstädter Rathaus inspiriert. Etwa 20 Jahre später, er war inzwischen aus dem Egerland nach Roßbach übergesiedelt, reizte ihn der Gedanke, eine Kalenderuhr zu bauen. Bereits 1936 stellte Josef Metka in einer Gewerbe- und Handarbeitsausstellung im Hotel Küß in Rossbach seine erste Kalenderuhr vor. Nur das Schaltjahr wurde noch von Hand eingestellt. Unser Erfinder tüftelte, rechnete und probierte, bis es ihm gelang, auch dieses Problem zu lösen.

 

1939 war dann die Kalenderuhr endlich vollkommen und fand auch viele Bewunderer. Sein Sohn Ernst eröffnete 1954 in Bochum ein Uhrenfachgeschäft und inmitten der Schaufensterdekoration stand die Kalenderuhr seines Vaters. Sie trug zusammen mit einem ausführlichen Pressebericht sehr zum guten Start seines Betriebes bei. Die verschiedenen Funktionen der Uhr sind an 10 beleuchteten Sichtfenstern abzulesen: Uhrzeit, Datum (wobei die Jahreszahl extra angezeigt wurde), Name des Tages, Name des Monats, Mondphasenstellung, Sonnenauf- und Untergang, Stand der Sonne und die Länge des Tages. Die Zahlenangaben erfolgten digital in selbstgestichelten Zahlen und Buchstaben.

 

Rudolf Dölling (1902-1975), Generalmajor, war stellvertretender Innenminister und Botschafter der DDR in der UdSSR.

Dr. Fritz Wittmann, geboren 1933. Enkel des Konditormeisters Josef Wittmann. War Obersozialgerichtsrat, langjähriger Bundestagsabgeordneter und hatte zahlreiche hohe Ämter in Vertriebenenorganisationen.
Walter Eibich (1912 - 1995), Roßbachs letzter evangelischer Pfarrer. Er war der Begründer des Heimatboten und dessen langjähriger Schriftleiter. Eibich galt als Vater der Heimatgemeinschaft der Vertriebenen von Roßbach, Friedersreuth, Gottmannsgrün und Thonbrunn. Aus seiner Feder stammt das Buch "Geschichte der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rossbach".
Hermann Zapf (1906 -1979), Roßbachs letzter Bürgermeister. Zapf war sieben Jahre Schriftleiter des Heimatboten und 30 Jahre Heimatbetreuer des Kirchspiels Roßbach.
Karl Krauß (1908 - 1997), Initiator der Roßbacher Weberstuben in Rehau. Mitarbeiter des Heimatboten und Mitorganisator der Heimattreffen. Wie sein früh verstorbener Bruder war er künstlerisch begabt.
Hans Teschner (1919 - 1999), war 16 Jahre Schriftleiter des Heimatboten und dessen langjähriger Mitarbeiter.
Dr. Herbert Hofmann (1900 - 1983) hat in seinem 1969 erschienenen "Roßbacher Heimatbuch" die Entwicklung des Bauernortes zum bedeutenden Industrieort dargestellt. Damit hat er ein unschätzbares Nachschlagewerk für alle Heimatfreunde geschaffen.

Arno Ritter (1909 - 1984), Heimatforscher und langjähriger Mitarbeiter des Heimatboten. Seine bedeutendste Arbeit dürften die Ortschroniken von Roßbach, Friedersreuth und Gottmannsgrün im Ascher Heimatbuch sein.

Ernst Wilfling ist Heimatforscher. Sein Verdienst ist die heimatkundliche Arbeit: "Der unterschlagene Landstrich - die Besiedlung des Rospewinkels".

Hella Wollner rief zusammen mit Radio "Euroherz" im Jahre 1990 die Spendenaktion zur Erhaltung der Roßbacher Kirche ins Leben.

Zahlreiche Roßbacher wurden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

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